Qualitätsjournalismus – Des gehd gerad so weidr – Teil 2

Mal wieder ein Zeitungsartikel über „Germanitien“. Mal wieder keinerlei sachliche Information. Doch diesmal ist es nicht die Südwest-Presse, sondern die Schwäbische Zeitung, die sich in ihrer Printausgabe vor den Karren dieser Gruppierung spannen läßt.

Per E-Mail verschickte Jörg Erdmannsky – selbsternannter „Mitarbeiter des diplomatischen Korps des Staates Germanitien” – am 01.10.2011 eine PDF-Datei mit einem Artikel aus der Schwäbischen Zeitung. Das Erscheinungsdatum ist dem Artikel nicht zu entnehmen. Die PDF-Datei trägt den Namen „Schwaebische-1.Okt.2011.pdf“, sodaß der Artikel vermutlich vom selben Tag stammt.

Bereits die Überschrift läßt ahnen, daß es dem Verfasser des Artikels nicht um Aufklärung über die Hintergründe dieser Gruppierung geht: „Protest: ‚Den Rechtsstaat Deutschland gibt es nicht‘ (…) Ein Staatsbesuch in Germanitien“.

Ein Staatsbesuch. Na, klar. Was hat der Mensch denn bloß eingeworfen, daß er tatsächlich denkt, bei dem Häufchen von Querulanten, Spinnern, Ewiggestrigen u.a. handele es sich um einen „Staat“?

Was dann folgt, ist allem Anschein nach eine Mischung aus dem Versuch, Mitleid zu erwecken und dem Versuch, sich über Ulrike Kuklinski („Präsidentin“ des Phantasieprodukts „Germanitien“) lustig zu machen.

Während Kuklinski im Artikel überwiegend als laut und störend dargestellt wird, wird zum Beispiel Charlotte K. (die Frau bei der eine Zwangsräumung bevor steht; siehe dazu u.a. hier) als nette ältere Dame (eine angeblich „reiche Erbin“) dargestellt, die nach eigenen Angaben seit 19 Jahren gegen Testamentsverwalter, Anwälte und Richter um ihr Geld kämpfe.

„Was treibt Menschen dazu, sich von ihrem Land loszusagen und einen eigenen Staat auszurufen?“, lautet die Frage in der Überschrift des Artikels.

Den Leser/innen des Artikels wird suggeriert, diese Menschen seien allesamt bedauernswerte Opfer eines Unrechtsregimes. Aber nicht in irgendeiner Bananenrepublik, sondern in der Bundesrepublik Deutschland.

Auch wenn im Artikel die Begriffe „Willkür“ und „Unrechtsstaat“ lediglich in Anführungszeichen verwendet werden, bleiben sämtliche dahingehende Behauptungen der „Germaniten“ unwidersprochen. Der Artikel endet sogar mit einem Statement Kuklinskis, das die Behauptung enthält, in der Bundesrepublik Deutschland würden „die Menschenrechte“ nicht eingehalten.

Auch in diesem Artikel erfolgt mithin keinerlei Hinweis auf die Hintergründe der „Germaniten“.

Mit keinem Wort wird erwähnt, daß man gerade nicht mal eben so einen eigenen „Staat“ ausrufen kann. Der Mantel des Schweigens wird über entsprechende Rechtsprechung ausgebreitet, mit der die „Germaniten“ bereits eindeutig in ihre Schranken gewiesen wurden.

Und wenn Jörg Erdmannsky im Artikel zu Wort kommt, heißt es bloß, er doziere „mit sonorer Stimme“ über das seit 1945 in Deutschland angeblich herrschende „Kriegsrecht“. Für die Leser/innen der Schwäbischen Zeitung gibt es jedoch keine weiteren Informationen über seinen Hintergrund, insbesondere über seine umfangreichen Erfahrungen mit der bundesdeutschen (Straf-)Justiz. Ebenso wenig erfahren sie zum Beispiel darüber, daß Erdmannsky in seiner Funktion als „Mitglied der obersten Kontroll.– und Justizbehörde des Rechtsstaates 2. Deutsches Reich in Magdeburg, zur Beseitigung und Verfolgung von Rechtsbrüchen der willkürlichen und illegalen Staatssimulation ‚OMF-BRDdvD‘“ als Verfechter der Todesstrafe bekannt wurde. Diese wollte er zumindest im Dezember 2006 vollstreckt sehen an Mitarbeitern von „OMF-BRDdvD Behörden“ und Ämtern, die an „deutsche Personen“ Briefe versenden…

Immerhin erfährt man, warum diese Leute glauben, sich „Germaniten“ nennen zu müssen:

„Germaniten, das setze sich schließlich aus den Wörtern Germanien für Deutsche und Iten für Verfolgte zusammen“,

wird der „Regierungssprecher“ zitiert. Diesen Dialekt versteht man wahrscheinlich nur in Baden-Württemberg.

Insgesamt ist dieser Artikel in der Schwäbischen Zeitung daher eine weitere kostenlose Werbeanzeige für die „Germaniten“, getarnt als redaktioneller Beitrag, der einmal mehr die von ihnen ausgehenden Gefahren verschweigt.

In Baden-Württemberg kann man also offenbar doch nicht alles, außer Hochdeutsch. Die Verfassung schützen kann man nicht, und Journalismus ebenfalls nicht.

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Qualitätsjournalismus – Des gehd gerad so weidr

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Ein Kommentar zu Qualitätsjournalismus – Des gehd gerad so weidr – Teil 2

  1. Anonym sagt:

    Richtig schön:

    Die „Akkreditierung“ von Germanitien:

    http://bewusstsein.ralunet.com/media/Akkreditierung.pdf

    Es ist amtlich: Germanitien lebt!

    Auf Seite 4 werden übrigens die Presseartikel mal so richtig „richtig gestellt“. 😀

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