„Zum Glück ist Xavier dunkelhäutig“

Morgens, 06:49 Uhr in Deutschland. Der „normale“ Reichsideologe dürfte – da es bis zum Meldetermin im Jobcenter noch ein paar Stunden Zeit hat – zu dieser frühen Stunde noch seelig von den Grenzen von 1937 träumen. Trotzdem ist „der Szene“ ein Auftritt Xavier Naidoos im ARD Morgenmagazin nicht entgangen.

Zunächst möchte ich an dieser Stelle ein Geständnis ablegen: ich habe es noch nie geschafft, mir einen Song von Xavier Naidoo in Gänze anzuhören. Spätestens nach 10 Sekunden überkommt mich in der Regel nämlich entweder das Verlangen, das Radio zu zertrümmern oder mir die Pulsadern aufzuschlitzen.

Doch zum Glück sind Geschmäcker verschieden und es gibt Menschen, denen diese Art von Musik gefällt. Und offenbar gibt es auch genug Menschen, denen Naidoos verquere Ansichten gefallen – und zwar u.a. in der Szene der Reichsideologen.

Wieso ausgerechnet dort?

Naidoo war am 24.10.2011 zu Gast im Morgenmagazin der ARD. Auf die Frage der Moderatorin an Naidoo und seinen Begleiter „Sind wir denn in Deutschland frei, Eurer Ansicht nach?„, entgegnete Naidoo:

„Aber nein, wir sind nicht frei.Wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land (?)…“

Hier fällt ihm gnädigerweise der Moderator Sven Lorig ins Wort. „Wir haben den Zwei-plus-vier-Vertrag...“, beginnt er, um seinerseits von Naidoo unterbrochen zu werden:

„Das ist kein Friedensvertrag…“

Nun ergreift die blonde Moderatorin wieder das Wort und fordert die Herrschaften auf, nicht zu sehr ins Detail zu gehen.

Zu bestaunen ist diese Szene einerseits in der ARD-Mediathek, aber vor allem auch bei Youtube. Dort findet sich Naidoos Geschwalle in kleinen Videos, versehen mit lobenden Kommentaren von Reichsideologen.

„Wer hätte es gedacht, dass der, in Deutschland sehr bekannte, Musiker Xavier Naidoo tatsächlich über die juristische Lage Deutschlands bescheid weiß!“

heißt es beispielsweise in einem Kommentar. Und in einem anderen wird glatt behauptet, Naidoo sei gut informiert und mutig.

Ein anderer Kommentator ist richtig erleichtert über Naidoos Hautfarbe, welche seiner Meinung nach die Anwendung der „Nazikeule“ verhindere:

„Zum Glück ist Xavier dunkelhäutig…“

Wobei nicht alle Reichsideologen dieser Ansicht sind, wie zwei Beispiele zeigen, die so in den Kommentaren bei Youtube bereits seit mindestens einem Monat zu lesen sind:

„Xavier ist kein Deutscher. Deutschland den Deutschen, Ausländer raus! Das sollte selbstverständlich sein. Alles andere ist Völkermord.“

und

„Ein Esel, der im Pferdestall geboren wurde, ist dennoch ein Esel. Es gibt keine »Farbigen« Deutschen. Wir Deutsche sind ein Volk! Wir sind keine Ideennation, unser Zusammenhalt begründet sich im Blut, das uns verbindet.“

Nun kann man ausgiebig darüber spekulieren, warum jemand, der auch bei Veranstaltungen „gegen rechts“ auftritt, „Argumente“ von der angeblich nicht existenten Bundesrepublik Deutschland und einem angeblich noch immer erforderlichen aber nicht vorhandenen Friedensvertrag vertritt, die in der „rechten Szene“ vertreten werden.

Zahlreiche Reichsideologen werden zum Beispiel zu solchen, weil sie sich vor ihrer Verantwortung vor der bundesdeutschen Justiz drücken wollen oder sich als „Justizopfer“ sehen. Vertritt Naidoo also derartige „Argumente“, weil er im November 2000 wegen des Besitzes von 48 Gramm Haschisch und des Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 20 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 100.000 DM verurteilt wurde? Oder hat er sich ganz mutig ein paar Gehirnzellen zu viel weggekifft?

Fest steht jedenfalls, daß Xavier Naidoo mit Blick auf Fragen zur juristischen Situation in der Bundesrepublik Deutschland ein ziemlicher Dummschwätzer und eben nicht informiert ist.

Übrigens ist Naidoo was das Nachplappern von Verschwörungstheorien angeht kein Ersttäter, wie hier ausführlich nachzulesen ist.

Siehe zum Thema auch diesen Beitrag bei reflexion.blogsport.de.

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2 Kommentare zu „Zum Glück ist Xavier dunkelhäutig“

  1. X. Nodoo sagt:

    Warum wird Herr Naidoo eigentlich nicht boykottiert? Bemerkenswert ist doch , dass die Radiosender und Fernsehsender häufig zu diesem Mittel greifen. Sei es aus Sorge vor angeblichem Nazitum wie bei den Onkelz und Rammstein. Sei es nur der DSDS-Müll. Herr Naidoo sitzt in einer öffentlich-rechtlichen Sendung und sagt, Deutschland existiert nicht, sei kein Land. Damit äussert er sich viel eindeutiger gegen die Freiheitliche Demokratische Grundordnung als man es vielen anderen Boykottopfern unterstellt. Wird er deswegen boykottiert? Nein, warum auch? Dafür bringt er der Musikindustrie und allen von ihr Abhängigen einfach zu viel Geld!

  2. Uwe sagt:

    Man muss aber auch sehen, das Naidoo momentan auch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht.

    Esogeschwurbel und VT-Gelaber wird idR. nicht als so skandalös empfunden um öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Es ist nur etwas peinlich, wenn sich der Stargast im Studio als Trottel entpuppt.

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