„Sachwalter des Deutschen Reiches“ in Portugal verhaftet

Im April 2005 war der Neonazi Gerhard „Gerd“ Ittner vom Landgericht Nürnberg-Fürth in Abwesenheit u.a. wegen Volksverhetzung zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt worden. Nun wurde er in Portugal verhaftet.

Seit März 2005 befand sich Gerhard „Gerd“ Ittner – selbsternannter „Sachwalter des Deutschen Reiches“- auf der Flucht vor der bundesdeutschen Justiz.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bezeichnet Ittner als „herausragenden Kopf der fränkischen Neonazi-Szene“, so ist es in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 07.05.2012 anlässlich der Verhaftung des Reichsideologen nachzulesen. In seinen Texten bezeichnete Ittner die Bundesrepublik als nicht existent und behauptete unter Bezugnahme auf die UN-Feindstaatenklauseln u.a. die Bundesrepublik habe durch ihren UN-Beitritt dem „Deutschen Reich“ den Krieg erklärt.

Am 20.12.2003 hatte Ittner nach Informationen der „KRR“-FAQ an einer Veranstaltung von Rechtsextremisten teilgenommen, bei der als Hauptredner der damalige „Pressesprecher“ der „Kommissarischen Reichsregierung“, Uwe Bradler, auftrat.

Ende November 2004 hatte vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth ein Prozeß gegen Ittner begonnen. In dem Strafverfahren waren dem Rechtsextremisten 16 Fälle von Verunglimpfung des Staates, Beleidigung und Volksverhetzung vorgeworfen worden. Die Anklageschrift hatte 48 Seiten umfaßt. Unter anderem war es um „zahlreiche Veröffentlichungen im Internet“ gegangen, die mit dem Ziel erfolgt seien, „den Untergang der Bundesrepublik Deutschland herbeizuführen“. Darüber hinaus war Ittner vorgeworfen worden, „unter bewusster Verwendung des nationalsozialistischen Wortschatzes ‚das ungeschmälerte Lebensrecht‘ von Juden bestritten und sie als unterwertige Menschen bezeichnet“ zu haben. Während des Prozesses hatte Ittner einer Staatsanwältin die Todesstrafe „wegen Hochverrats“ angedroht, heißt es in dem o.g. Artikel der Süddeutschen Zeitung.

Ende März 2005, am 18. Verhandlungstag – als sich abzeichnete, daß ihm eine mehrjährige Haftstrafe drohen könnte, wie es in einem Artikel bei Focus Online vom 07.05.2012 heißt – war Gerhard Ittner nicht mehr vor Gericht erschienen.

Obwohl Ittner mit internationalem Haftbefehl gesucht worden war, gelang es ihm jahrelang, sich der Verhaftung zu entziehen. Die Süddeutsche Zeitung weiß zu berichten, daß Ittner nach einem anonymen Hinweis am 11. April 2012 in Portugal festgenommen werden konnte, wo er in Auslieferungshaft kam.

In einem Artikel vom 06.04.2012 hatte Focus Online über mögliche Verbindungen Ittners zur Terrorgruppe NSU spekuliert. Ein Flugblatt, das Ittner am 26.08.2000 in Nürnberg an Autofahrer verteilt hatte, könnte „versteckte Hinweise“ auf die „unmittelbar danach beginnende Verbrechensserie des NSU“ enthalten haben. In dem Flugblatt habe Ittner das „Unternehmen Flächenbrand“ ausgerufen und angekündigt: „1. September 2000 – von jetzt ab wird zurückgeschossen.“. Laut Focus sei ein direkter Kontakt zu dem NSU-Trio allerdings unwahrscheinlich. Jedoch seien „enge Verbindungen des fränkischen Neonazis zu dem früheren NPD-Funktionär Ralf Wohlleben“ aktenkundig, der als „wichtigster Helfer“ des Terror-Trios gilt.

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