Germanitien: Grobe wahnhafte Verkennung der Wirklichkeit

Ein Beschluß, der in einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht Reutlingen erging, schreibt es den Germaniten einmal mehr ins Stammbuch: ihre kruden Thesen deuten „schlimmstenfalls auf eine grobe wahnhafte Verkennung der Wirklichkeit“ hin.

Anfang 2010 kursierte im Internet ein Schreiben, das am 16.02.2010 von einem Amtsrichter in einem Insolvenzantragsverfahren vor dem Amtsgericht Halle an der Saale verfaßt worden war. In bis dahin seltenem Klartext wurde darin einem Mitglied der „Ringvorsorge“ bescheinigt, daß die „Argumentation“ bezüglich des Fortbestands des „Deutschen Reiches“ unzutreffend sei und „kommissarische Reichsregierungen“ oder andere „Phantasiegebilde keine Regierungen im völkerrechtlichen Sinne“ darstellen (siehe dazu bei angereichert: „Deutsches Reich und Ringvorsorge – Klartext eines Amtsrichters“).

Führende Kraft bei der Ringvorsorge und im Phantasiestaat „Germanitien“ ist Ulrike Kuklinski. Sie und ihre Mitstreiter bombardieren bereits seit geraumer Zeit Behörden und Gerichte mit seitenlangen, überwiegend handgeschriebenen Pamphleten und zwar immer dann, wenn es darum geht, sich unliebsamen (aber rechtmäßigen) Verpflichtungen zu entziehen.

Besonders aktiv sind die „Germaniten“ in Baden-Württemberg. Auch das Amtsgericht Reutlingen muß sich mit Belästigungen durch diese Gruppe befassen. Dabei hatte man dort doch schon mit dem selbsternannten „Justizminister“ des „Freien Volksstaates Württemberg“ Werner Peters zu tun („KRR“-FAQ und angereichert zu Werner Peters).

In einem aktuellen Fall ging es um eine „Germanitin“, die mit Strafbefehl vom 16.12.2011 vom Amtsgericht Reutlingen wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt worden war. Da die Dame nicht zahlte, wurde von der zuständigen Staatsanwaltschaft im März 2012 die Vollstreckung der Ersatzfreiheitsstrafe angeordnet. In den folgenden Tagen gingen dort mehrere Schreiben und Faxe der verurteilten „Germanitin“ gegen diese Anordnung ein. Die Angelegenheit landete schließlich beim Amtsgericht Reutlingen.

Mit Beschluß vom 03.05.2012 verwarf das Amtsgericht die Einwendungen der „Germanitin“ gegen die Anordnung der Ersatzfreiheitsstrafe (10 Cs 26 Js 23507/11).

Aus den Gründen des Beschlusses wird deutlich, wie haarsträubend die Schreiben der „Germaniten“ rund um Ulrike Kuklinski sind.

Unter anderem heißt es dort, die „Schreiben zeichnen sich in erster Linie durch eine chaotische handschriftliche Gestaltung, Unübersichtlichkeit sowie durch die fehlende Beherrschung der deutschen Grammatik und Sprache aus“. Dies geht sogar so weit, daß ihnen „irgendwelche vollständigen und verständlichen Sätze in deutscher Sprache“ nicht entnommen werden können. Ein „Sinngehalt“ sei nicht nachvollziehbar“. Vielmehr erschöpfen sich die Schreiben darin, „in einer erfundenen pseudo-rechtlichen Phantasiesprache durch die wahllose Aneinanderreihung verschiedener rechtlicher Begriffe und willkürlich aufgezählter, teilweise falsch zitierter Rechtsvorschriften den Anschein von Sinnhaftigkeit und eines schlüssigen Konzepts hervorzurufen“. Darüber hinaus seien weder „zutreffende rechtliche Begrifflichkeiten oder Begründungen“ zu finden, noch „irgendein konkretes Begehren oder gar ein präzise formulierter Antrag“.

Zudem wird in den Gründen des Beschlusses sehr anschaulich beschrieben, wie die „Germaniten“ vorgehen, um zu versuchen, andere von ihren kruden Thesen zu überzeugen. So werden

„reale rechtliche, politische und historische Gegebenheiten [werden] bestenfalls aus dem Zusammenhang gerissen und zur Verfolgung eigener Zwecke unvollständig und somit verfälschend dargestellt, was zugleich schlimmstenfalls auf eine grobe wahnhafte Verkennung der Wirklichkeit hin deutet“,

heißt es im Beschluß des Amtsgerichts.

Dieses Vorgehen können die „Germaniten“ allerdings nicht exklusiv für sich reklamieren. Es ist vielmehr quasi ein Markenzeichen der „Argumentation“ aller Reichsideologen.

Die „Germaniten“ sind ungeachtet solch eindeutiger Worte stolz auf ihre Schreiben und die mit Behörden und Justiz geführten Auseinandersetzungen. Sie veröffentlichen derartige Texte selbst im Internet und fordern zum Nachahmen auf, so zum Beispiel auch das nachfolgende Fax vom 22.12.2011 an das Landgericht Tübingen und das Amtsgericht Reutlingen:

Germanitien - Wirres Fax

Germanitien - Wirres Fax

Normalerweise müßte angesichts solcher Schmierzettel jedem Menschen klar sein, daß er sich letztlich selbst schadet, wenn er sich – statt fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen – an Ulrike Kuklinski, die Ringvorsorge, „Germanitien“ oder andere selbsternannte „Justizopfer“-Selbsthilfegruppen wendet. Doch was ist in „Germanitien“ schon normal?

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2 Kommentare zu Germanitien: Grobe wahnhafte Verkennung der Wirklichkeit

  1. Willi sagt:

    Das mit Germanitien ist so eine Sache. Eigentlich gibt es zwei Pseudostaaten dieses Namens. Die Ringvorsorge unter Ulrike Kulinski und Jörd Erdmannsky und die Justizopferhilfe Nordrhein-Westfalen unter Axel Thiesmeier und Peter Wattler hatten sich mal vor über einem Jahr zusammengeschlossen und den „Staat“ Germanitien gemeinsam betrieben. Doch bald schon gab es Krach, und sowohl die Ringvorsorge als auch die JOH NRW nahmen für sich das Recht in Anspruch, das wahre Germanitien zu bilden.
    Erdmannsky hat sich inzwischen von Ulrike Kulinski im Krach getrennt und verschickt Rundmails, in denen er über sie herfällt. In der JOH scheinen die Aktivitäten derzeit zu erlahmen. Seit Monaten hat sich auf ihrer Website nichts entscheidendes mehr getan.
    Sonstige Aktivitäten sind auch zurückgefahren worden.

    Was die Ringvorsorge und deren Germaniten angeht, habe ich das Gefühl, dass hier weniger Staatsanwälte, sondern vielmehr Psychiater gefordert sind. Bei Kulinksi und einigen anderen liegt doch eindeutig ein Rosenthal-Syndrom vor.

  2. Grüße von Nachbarblog!
    Mal was OT: Bei mir in den Kommentaren hat jemand ein Video gepostet, bei dem ein psychologischer Gutachter einen „Reichsdeutschen“ beurteilt. Schaut Euch das mal an! Ein gutes Vorbild, wie man souverän auf KRR-Argumente reagiert.

    Kommentar Frank Schmidt: Hallo Niederrheiner, den direkten Link auf das Video habe ich entfernt. Auch wenn der Befragte erwähnt, er zeichne alles auf und veröffentliche alles im Internet, bin ich mir nicht sicher, inwieweit es hier Ärger geben könnte (§ 201 Abs. 1 StGB).

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