„Germanitien“ empfängt Neonazis

In einer Gaststätte in Schwanstetten wächst das zusammen, was durchaus zusammengehört: der Phantasiestaat „Germanitien“ und Neonazis.

Es gibt eine Gruppe von Menschen in Deutschland, die für sich einen eigenen „Staat“ gegründet haben wollen: „Germanitien“. Diese Menschen nennen sich selbst „Germaniten“. Sie leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland, akzeptieren Entscheidungen von Behörden, Gerichten etc. nicht, belästigen im Gegenteil ihrerseits diese Institutionen mit teilweise seitenlangen haarsträubenden, überwiegend handgeschriebenen Pamphleten. Wobei, genauer betrachtet gibt es sogar zwei Gruppen von Menschen, die jede für sich einen eigenen Staat „Germanitien“ gegründet haben will. Beide Gruppen befinden sich ganz auf der Linie der „kommissarischen Reichsregierungen“. Bei angereichert wurde bereits mehrfach über „Germanitien“ berichtet.

Bislang ordnete ich jedenfalls das „Germanitien“ der Ulrike Kuklinski, eher dem Querulanten-Lager zu. Doch es zeigen sich offen Verbindungen zu Neonazis.

Die Abendzeitung Nürnberg berichtete gestern online über ein Nazi-Treffen in Schwanstetten.

Unter anderem in einer E-Mail vom 13.05.2012 hat der Holocaustleugner Christian Bärthel, eine bekannte Figur in der Szene der Reichsideologen, zu einer „Holocaust-Konferenz“ eingeladen. Bärthel versucht bereits seit einiger Zeit – wie auch andere Rechtsextremisten -, seine Holocaustleugnung und fortwährende Hetze gegen Juden unter dem Deckmantel der „Religionsfreiheit“ zu betreiben. So ist es nur… konsequent, daß er im Rahmen dieser „Holocaust-Konferenz“ laut Einladung einen „Gottesdienst“ zum Thema „Der Holocaust aus biblischer Sicht“ halten möchte. Darüber hinaus erklärt Bärthel, weitere „Referenten zum Thema Holocaust“ seien erwünscht und könnten sich bei ihm melden. Den Veranstaltungsort verschweigt Bärthel in seiner E-Mail allerdings.

Laut Abendzeitung Nürnberg ist der Veranstaltungsort die „Erbschänke Zum Schwan“ in Schwanstetten.

Diese wird von Claudia Aumüller-Karger betrieben, welche in der Szene der Reichsideologen ebenfalls bekannt ist, insbesondere aufgrund ihrer Tätigkeit im „Zentralrat Souveräner Bürger“ (ZSB). Vor ihrer Tätigkeit dort war sie zumindest bis zum 14.12.2006 „Staatsbürgerin des Staates 2tes Deutsches Reich“ und beim Gründer der „Ur-KRR“, Wolfgang Ebel, als „reichsrechtliche Rechtssachverständige“ tätig. Darüber hinaus engagierte sich Aumüller-Karger im Vorfeld der Gründung des „Fürstentums Germania„.

Im November 2008 war der Verfassungsschutz Bayerns der Ansicht

„‚Die Homepage des ZSB ergibt tatsächliche Anhaltspunkte für die dortige Verbreitung rechtsextremer Denk- und Argumentationsmuster‘, erklärt Robert Bihler, Sprecher der bayerischen Verfassungsschutzbehörde. (…) Die Gruppe akzeptiert die Verfassung nicht und bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik – damit die Legitimität aller Behörden, vom Gericht über das Finanzamt bis zur Polizei. Ebenfalls im Internet treten ihre Anhänger als Verfechter eines ‚Deutschen Reiches‘ auf, vergleichbar mit dem seit den 90er Jahren existierenden Phänomen ‚kommissarischer Reichsregierungen‘.

Im Impressum der Internetseite der „Erbschänke Zum Schwan“ findet sich der Satz

„Wir gehören dem Staat Germanitien-Gesamtdeutschland an.“

Dies läßt darauf schließen, daß Aumüller-Karger dem „Germanitien“ angehört, das von Ulrike Kuklinski „regiert“ wird, da diese Gruppe die Bezeichnung „Germanitien-Gesamtdeutschland“ für sich verwendet.

Auf den ersten Blick näherliegend wäre allerdings die Verbindung zum anderen „Germanitien“, da dort der Rechtsextremist Axel Thiesmeier aktiv ist. Jedoch bezeichnet sich diese Gruppe als „JOH/WAG/VG Germaniten“.

Aumüller-Karger macht der Abendzeitung Nürnberg gegenüber jedenfalls keinen Hehl aus ihrer Ablehung der Bundesrepublik Deutschland, die sie als „Sklavenkolonie“ bezeichnet. Dennoch will sie angeblich nicht gewußt haben, wer da Anfang Juni im „Schwan“ auftauchen wird.

Schwanstettens Bürgermeister ist alarmiert und will das Treffen verhindern, heißt es in der Abendzeitung Nürnberg. Im Jahr 2008 hatte die Gemeinde übrigens den Kauf der Gaststätte durch die von Aumüller-Karger gegründete Firma Arzberg Ltd. nicht verhindern können.

Nachtrag vom 03.06.2012:

Die „Holocaust-Konferenz“ wurde verhindert, heißt es z.B. in der Nürnberger Zeitung vom 02.06.2012. Schwanstetten war nach der umfangreichen Berichterstattung als Veranstaltungsort ausgefallen, woraufhin sich Bärthel einen neuen Veranstalrungsort suchen mußte. Allerdings wurden Wirte in der Region von den Behörden zuvor auf das geplante Treffen und die möglichen Gefahren aufmerksam gemacht.

„Als wir wussten, wo sich Bärthel mit seinen Anhängern trifft, haben wir die Wirte in der näheren Umgebung angesprochen“, erklärte Schnellinger [Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken]. Die Gastwirtin der Lokalität, bei der die „Gesellschaft“ tatsächlich angemeldet war, habe sich den Bedenken der Polizei gegenüber sofort aufgeschlossen gezeigt und die Buchung storniert: „Sie hat klar gemacht, dass sie diese Leute in ihren Räumen nicht will und damit ein wichtiges Zeichen gesetzt.“

Zuletzt geändert von Frank Schmidt am 08. Juli 2012 um 21:23

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Ein Kommentar zu „Germanitien“ empfängt Neonazis

  1. Anonym sagt:

    Ich erlaube mir mal den Link für den Folgeartikel zu hinterlassen:

    http://www.abendzeitung-nuernberg.de/Nachrichten/Nuernberg/Artikel/1164745/Platzt-das-Treffen-der-Holocaust-Leugner/

    Eigentlich sollte man der AZ den Rat geben mal im Internet ein bißchen zu suchen und mal im eigenen Archiv nachzusehen – da könnte die Herren/Damen dann vielleicht sogar noch viel mehr „herausfinden“ zu Frau Aumüller-Karger und deren geschäftlichen Umtrieben, wie z.B. auch die GFE.

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