„Exilregierung Deutsches Reich“: Déjà-vu

Im Herbst 2001 begann eine Zersplitterung in der Szene der „kommissarischen Reichsregierungen“: bei einer „Palastrevolution“ spaltete sich eine Gruppe von der Ur-„KRR“ des Wolfgang G. G. Ebel ab. Einige Jahre später entstand hieraus die „Exilregierung Deutsches Reich“. Offenbar kam es auch dort nun zu einer Spaltung.

Als die Spaltung der Ur-„KRR“ erfolgte, wurde eine Menge Dreck in die Öffentlichkeit geschleudert. Federführend beteiligt an der „Palastrevolution“ im Herbst 2001 war der damalige „Pressesprecher“ Uwe Bradler. Dieser veröffentlichte zahlreiche Informationen, die u.a. das belegten, was bis dahin von den Reichsideologen (und auch von Uwe Bradler) vehement bestritten worden war: der Erfinder der „kommissarischen Reichsregierung“, Wolfgang Gerhard Günter Ebel ist schuldunfähig.

Im Mai 2004 wurde dann – wieder unter Federführung Bradlers – die „Exilregierung Deutsches Reich“ in Hildesheim gegründet. Als „Reichskanzler“ wurde Norbert Rudolf Schittke eingesetzt.

Schon von Beginn an stand Schittke – der vor seiner Zeit als „Reichskanzler“ u.a. für die „Republikaner“ im Hildesheimer Kreistag gesessen und 1998 bei der Bundestagswahl für die Deutsche Zentrumspartei als Direktkandidat in Hildesheim kandiert hatte – in der Kritik seiner Anhänger.

Dies jedoch nicht, weil unter ihm und Bradler die „Exilregierung“ die erste „kommissarische Reichsregierung“ wurde, die offen rechtsextremistisch auftrat und fortan u.a. vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet wurde. Nein, Schittke haftete der Ruf an, es insbesondere in Finanzdingen nicht allzu genau zu nehmen. Sogar von Scheckbetrug war die Rede.

Fest steht, daß durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen im Jahr 1999 ein Bescheid gemäß § 37 KWG gegen Norbert Schittke erlassen worden war „zur Untersagung und Abwicklung unerlaubt betriebener Geschäfte“. Von den beanstandeten Geschäften waren nach Informationen des Bundesaufsichtsamtes 11 Anleger betroffen, es ging um ein Gesamtanlagevolumen von 20.000 DM. Am 06.07.2004 veröffentlichte Schittke im damaligen „Reichsforum“ ein als „eidesstattliche Versicherung“ bezeichnetes Schriftstück, in dem er sich gegen seine Kritiker zur Wehr setzte. Er sei noch nie von einem Gericht wegen eines Verbrechens oder Vergehens verurteilt worden (habe allerdings schon falsch geparkt und im Jahre 2003 wegen „zu schnellem fahren“ ein zweimonatiges Fahrverbot erhalten), hieß es dort. Hingegen habe Schittke keine Scheckbetrugshandlungen oder Urkundenfälschungen „oder sonst irgendwelche Straftaten“ begangen oder begehe sie, behauptete er damals.

Nachdem es zuletzt im Jahr 2011 „Putschgerüchte“ gegen Schittke gegeben hatte, kam es auf dem bislang letzten „Bürgertreffen“ der „Exilregierung“ am 17.05.2012 offenbar zu einem großen Knall.

Über den Ablauf existieren mindestens zwei verschiedene Versionen: zum einen die der „Putschisten“, die auf ihrer Anfang Mai 2012 von Alexander Schlowak registrierten Internetseite veröffentlicht ist. Zum anderen die Version des „Reichskanzlers“ Norbert Schittke.

Alles wirkt wie ein Déjà-vu, wie damals, als sich die Ur-„KRR“ das erste Mal spaltete. Während auf der einen Seite große Vorwürfe gegen Schittke und seine Kumpanen erhoben werden, „entläßt“ Schittke ganz in Ebel’scher Tradition die „Putschisten“ kurzerhand aus der „Exilregierung“.

Sehr ausführlich nachzulesen ist dies alles in „Reichling’s Blog“.

Bei den „Putschisten“ heißt es, auf dem „Bürgertreffen“ am 17.05.2012 hätten „80 Prozent der Amtsträger gegenüber Reichskanzler Norbert Rudolf Schittke, das Mißtrauen“ ausgesprochen. Allerdings sei – so heißt es bei den „Putschisten – Schittke auf der Versammlung zunächst gar nicht anwesen gewesen. Und weiter:

„Als er letztendlich durch den Sicherheitsdienst beigebracht wurde, konnte er keinen einzigen der Vorwürfe entkräften, darunter Unterschlagung, Täuschung im Rechtsverkehr, Verleumdung, Anstiftung zu Straftaten und Sabotage. Die meisten der erhobenen Vorwürfe bedeuten in seiner Position gleichzeitig Landes- und/oder Hochverrat.“

Erklärung der "Putschisten"

Erklärung der "Putschisten"

Auf der von Norbert Schittke kontrollierten „offiziellen“ Internetseite der „Exilregierung“ heißt es hingegen:

„Ein weiterer von langer Hand geplanter Zerstörungsversuch der Exilregierung ist gescheitert. Die Beteiligten, der ehem. Stasibedienstete Uwe R[*] und weitere systemnahe Protagonisten, wie Herr Alexander Schlowak, Bernhard P[*], Christian K[*] und Markus H[*] sind mittlerweile in Unehren aus der Exilregierung entlassen und all ihrer Ämter enthoben. (…) Nach uns vorliegenden Informationen versuchen die Hochverräter nunmehr das deutsche Volk zu betrügen. Sie erwecken den Anschein, Ausweispapiere erstellen zu dürfen und lassen sich diese Leistung auch bezahlen. (…)“

Die Erklärung schließt mit einer unverhohlenen Drohung, die gleichzeitig einen Blick auf Schittkes Selbstbild gewährt:

„Ein Hund, der die Hand des Herren beißt wäre sofort erschossen worden.“

Erklärung des "Reichskanzlers" Schittke

Erklärung des "Reichskanzlers" Schittke

Ein Nachteil scheint „Reichskanzler“ Schittke in der Auseinandersetzung zu haben: zwar hat er weiterhin Zugriff auf die „offizielle“ Internetseite der „Exilregierung“. Doch insbesondere die Internetseite, mit der eine „kommissarische Reichsregierung“ am besten Geld verdienen kann, scheint unter Kontrolle der „Putschisten“: der Fanartikel-Shop (sprich: die „Reichsmeldestelle“, welche die verschiedenen „Reichsdokumente“ verkauft).

Fest steht jedenfalls, daß es in der ohnehin schon lange sehr unübersichtlichen Szene der „kommissarischen Reichsregierungen“ nun eine weitere „Regierung“ gibt. Offenbar lohnt das Geschäft mit dem Verkauf von selbstgebastelten „Reichsausweisen“ also noch immer – und die „Putschisten“ wollen nun endlich ihr eigenes Stück vom Kuchen.

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4 Kommentare zu „Exilregierung Deutsches Reich“: Déjà-vu

  1. Willi sagt:

    Bei den Reichsmeldestellen scheint sich auch was verdoppelt zu haben. Es gibt sowohl die Seite reichsmeldestelle.info also auch die Seite reichsmeldestelle.org.
    Da sich die Reichsbürger nie ganz sicher sein können, welche Reichsregierung denn jetzt die richtige ist, wird man jetzt wohl auch bei der Abspaltung von Schittkes Exilregierung Reichsausweise beantragen. Denn sicher ist sicher. Und neben dem Personenausweis von Ebel und dem von Schittke passen auch noch ein paar andere hinein. Kosten ja nur 50 Euro pro Stück. Und sie wurden von mehreren Oberlandesgerichten auch schon anerkannt, als Scherzartikel oder Kinderspielzeug.

  2. Irexis sagt:

    Ich hab hier nen kleinen Programmhinweis, vielleicht interessiert er euch ja 😉

    Wild Germany Deutsche Reichsregierung

    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/554e767c-013d-36a6-9be7-ceec661f1b5a/20022689?noDispatch=1

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