Bewährungsstrafe für Ex-„Germaniten“

Zu einer Haftstrafe von 6 Monaten, auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, wurde ein 26jähriger Ex-„Germanit“ am Montag vom Amtsgericht Neu-Ulm verurteilt. Er war aus der Untersuchungshaft vorgeführt worden, weil er zuvor zwei Gerichtstermine platzen ließ.

angereichert hatte erst am Montag über den Fall des 26jährigen berichtet. Mehrfach war Marco S., der keine Fahrerlaubnis mehr besitzt, von der Polizei am Steuer eines PKW erwischt worden. Dabei hatte er „wie üblich“ einen „germanitischen Führerschein“ vorgezeigt. Das Papier wurde ihm abgenommen. Trotzdem wurde er wieder ertappt, konnte in diesem Fall jedoch gar keine Papiere mehr vorlegen.

Zu zwei anberaumten Terminen am 23.10.2012 und 06.11.2012 erschien Marco S. nicht vor Gericht. Daher wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Am Montag nun fand endlich die Hauptverhandlung gegen Marco S. statt, über die unser Lieblings-Blatt, die Südwest-Presse, am 18.12.2012 berichtete.

Insgesamt fünf Mal war er im Zeitraum zwischen Ende Juli und Ende Oktober ohne Fahrlaubnis aufgegriffen worden. Lediglich einen Phantasie-Führerschein aus „Germanitien“ hatte S. den kontrollierenden Polizisten präsentieren können. In einem Fall stand er beim Führen des Kraftfahrzeugs sogar unter dem Einfluß von Betäubungsmitteln. Dies führte dazu, daß zudem die Wohnung des 26jährigen durchsucht und ein Gramm Marihuana gefunden wurde.

In der Verhandlung wurde offenbar, daß der 26jährige ein typisches Opfer für Reichsideologen war: kein Berufsabschluß, arbeitslos, hohe Schulden. Kurz: er befand sich in einer scheinbar hoffnungslosen Situation, als er auf „Germanitien“ aufmerksam wurde.

Bei einer „Kneipenveranstaltung“ in seinem Wohnort hätten „Germaniten“ vor 40 Zuhörern für sich und ihre Papiere geworben. Wenn man 300 EUR zahle und seine deutschen Personaldokumente abgebe, könne man „Germanit“ werden, warben sie.

Trotz seiner hohen Schulden hatte der 26jährige offenbar noch genug Geld für diesen Schwachsinn übrig. In einer „germanitischen Stadtmission“ konnte er sich nur eine Woche später seine „germanitischen“ Papiere abholen, bei einer Frau, die Marco S. auch gesagt habe, „er brauche sich als Germaniter vom deutschen Staat nichts mehr sagen lassen“, wie es bei der Südwest-Presse heißt. Und weil er der Frau geglaubt haben will, eskalierte die Situation bis hin zur Verhaftung.

Von „Germanitien“ habe sich der 26jährige inzwischen losgesagt.

Während die Staatsanwaltschaft eine sechsmonatige Haftstrafe ohne Bewährung forderte, ließ der Richter noch einmal „Gnade“ walten: sechs Monate ja, aber auf Bewährung.

Er sah beim Angeklagten einen Mangel an „rechtsstaatlicher Bildung“, heißt es bei der Südwest-Presse. Vielleicht hat er sich seinen Verstand – bzw. gerade den Teil, durch den er Recht und Unrecht unterscheiden könnte – ja auch schon zu einem Großteil weggekifft.

Eine Hauptursache für das Verhalten des 26jährigen sah der Richter offenbar bei der „Rattenfängerin“ aus „Germanitien“, der er aufgesessen sei. Diese lebe möglicherweise vom „gewerbsmäßigen Betrug“ durch den „schwunghaften Handel mit germanitischen Papieren“.

Interessant ist, was die Südwest-Presse zum Abschluß des Artikels schreibt:

„Auf Nachfrage teilte die Memminger Staatsanwaltschaft gestern mit, „dass Ermittlungen geführt werden, soweit sich Anhaltspunkte für strafbare Handlungen ergeben haben.“ Ohne jedoch konkret zu werden, gegen wen ermittelt werde.“

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