„Fürstentum Germania“ reloaded

Mit einem Projekt namens „Deutschland-Projekt“ oder „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“ starten Reichsideologen, unter ihnen Jo Conrad, einen neuen Versuch, die verschiedenen Gruppierungen der Szene zu vereinen.

Eigentlich könnte ich mich an dieser Stelle kurz fassen: bislang ist jedes Projekt an dem der rechtsextreme Verschwörungsautor Jo Conrad mitgewirkt hat, gescheitert (siehe auch den Register-Eintrag der KRR-FAQ zu Conrad), zuletzt der Phantasie-Staat „Fürstentum Germania“ (KRR-FAQ). Daher ist es wahrscheinlich, daß auch das neueste Projekt dieses Schicksal teilen wird. Dennoch ist „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“ einen genaueren Blick wert.

Denn mit von der Partie ist diesmal Michael Vogt, den Conrad u.a. aus seiner Zeit bei „Secret TV“ kennt, einem Internetsender des rechtsextremen Verschwörungsautors Jan Udo Holey (besser bekannt als „Jan van Helsing“). redok berichtete im Dezember 2007 hierüber und über Vogts Rauswurf als Honrarprofessor bei der Uni Leipzig.

Über ein von Vogt verfaßtes „Manifest zur revolutionären Neuordnung“ hieß es am 23.11.2012 bei Spiegel Online unter anderem:

„Das fünfseitige Manifest ist ebenso drastisch wie eindeutig: Zu lesen ist von der „Abschaffung des Parteienstaats“ und der „Herstellung wirklicher Volksherrschaft“, dem Austritt aus Nato und Euro-Zone, der Kündigung grundlegender EU-Verträge, nicht zuletzt vom Ende der „Instrumentalisierung der deutschen Geschichte“. Gespickt ist der Text mit allerlei Angriffen auf die „gleichgeschaltete Presse“ und die „mentale Vernichtungsmentalität der PC-Aufpasser“, womit die vermeintlich vorherrschende politische Korrektheit gemeint ist. Momentan stünde man „in einer vorrevolutionären Phase eines im Niedergang befindlichen Systems“.“

Das Ziel von „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“ soll eine „Kräftebündelung vieler einzelner Gruppierungen, Selbstverwalter und gegründete Körperschaften“ sein, „die dabei sind ein neues System aufzubauen“. In einem Video auf der Internetseite des Projekts werden als Beispiele u.a. die verschiedenen „kommissarischen Reichsregierungen“, „Germanitien“ und das „Königreich Deutschland“ von Peter Fitzek genannt (siehe dazu unten). Harmlos erscheint die Gruppe nur auf den ersten Blick, da typisches esoterisches Geschwurbel verwendet wird. So heißt es auf der Internetseite weiter, man wolle die

„Integration von Frauenbewegungen, die sich mit den spirituellen  Kräften verbinden und zur Heilung von Mutter Erde und vielen Menschen“

und

„Die Vereinigung der weiblichen und männlichen Kräfte birgt für uns ein riesiges Potential, unsere Visionen im Einklang mit unserem Planeten und den kosmischen Gesetzen manifest werden zu lassen“.

Allerdings erscheint die Esoterik auch beim neuesten Projekt Conrads lediglich als Feigenblatt.

Allein die Tatsache, daß der Antisemit und wegen Volksverhetzung verwarnte Conrad hinter dem „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“ steckt, spricht bereits gegen ein harmloses Projekt. Doch auch einige Aussagen Conrads und Vogts in besagtem Video zeigen, daß es ihnen keinesfalls um Esoterik geht. Auf der Internetseite des Projekts ist zudem das „Deutschland Manifest“ aus der Feder Michael Vogts veröffentlicht („Aufbruch 2012 – «Der Weg in die Freiheit aus dem Zustand tiefster Erniedrigung: Manifest zur tatsächlichen Neuordnung Deutschlands»“). Hierbei handelt es sich allem Anschein nach um das Manifest, aus dem Spiegel Online zitierte und in dem die Bundesregierung demnach einen potentiellen „Ansatzpunkt für verfassungsfeindliche Bestrebungen“ erkennt.

Am 09.11.2012 fand in der Stadthalle Alsfeld eine erste „Konferenz“ der Gruppe statt, über die im Vorfeld die Oberhessische Zeitung berichtete. In dem Artikel heißt es u.a.:

„Deutschland Projekt“ nennt sich die Zusammenkunft, die von einer Gruppe namens „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“ organisiert wird und die ein Sammelbecken für „alle Gruppen, die sich mit der Rechtslage der BRD und Alternativen zum System befassen“, sein will. Dabei machen die Veranstalter im Internet deutlich, dass sie die Souveränität und Legitimität der Bundesrepublik Deutschland anzweifeln.“

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte sich der Betreiber der Stadthalle an die Polizei gewandt, um nähere Auskünfte zu den potentiellen Mietern zu erhalten. Diese erkundigte sich beim Staatsschutz und gab schließlich grünes Licht: die Personen, die hinter dem Treffen stehen, seien dem Staatsschutz zwar bekannt. Es gebe jedoch keinen Grund, das Treffen zu verbieten.

Abschließend heißt es in der Oberhessischen Zeitung mit Hinweis auf den Sprecher der örtlichen Polizei:

„Allerdings werden nicht nur esoterische Gruppen und Verschwörungstheoretiker angesprochen. „Das steht wohl eine Gesinnung dahinter, die Richtung rechts ist“, beschreibt Keller einen Teil der Personen, die in Alsfeld erwartet werden.“

„König von Deutschland“ – Peter Fitzek

Eine der „Regierungen“, die Conrad und Vogt mit ihren „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“ unter einem Dach zusammenführen möchten, ist die von Peter Fitzek.

Dieser hatte sich im September 2012 zum „König von Deutschland“ krönen lassen (siehe Artikel bei publikative.org).

Fitzek ist eine schillernde Person in der Szene der Reichsideologen. Er machte unter anderem mit der „NeuDeutschen Gesundheitskasse“ auf sich aufmerksam, eine Art privater Krankenversicherung. Mit Verfügung vom 01.12.2010 untersagte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Fitzek das Betreiben des Versicherungsgeschäfts und ordnete die Abwicklung der unerlaubt betriebenen Geschäfte an.

Mit seinem Phantasie-Staat „NeuDeutschland“ geriet Peter Fitzek ins Visier der Justiz.

Wie alle Phantasie-Staaten bietet auch „NeuDeutschland“ seinen Anhängern verschiedene Devotionalien an, unter anderem eigene Autokennzeichen. In einem Verfahren vor dem Landgericht Dessau, über das die Mitteldeutsche Zeitung am 04.07.2011 berichtete, wurde Fitzek im Juli 2011 in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 12 EUR verurteilt. Er hatte Ende 2009 zwei Mal ein selbst gebasteltes Nummernschild an ein Auto geschraubt und war damit erwischt worden. In erster Instanz war Fitzek noch zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt worden. Gegen das Urteil hatten sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Fitzek ist bereits vorbestraft und mehrfach wegen Verkehrsdelikten auffällig geworden.

Siehe zu Fitzek die verschiedenen Artikel in Niederrheiners Blog und bei Psiram.

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