Neues vom “Generalstaatsanwalt”

Wer hätte das gedacht: der Blog-Artikel über den ehemaligen “Generalstaatsanwalt” der “Exilregierung Deutsches Reich”, welcher für Bündnis 90/Die Grünen in J. (Nordrhein-Westfalen) am 30.08.2009 bei der Kommunalwahl kandidiert, hat hohe Wellen geschlagen. Nun wird sogar in der Lokalpresse über den Fall berichtet.

Grünen-Kandidat sorgt für Wirbel” heißt es in einem Artikel vom 14.08.2009, der auf der Internetseite der Neuß-Grevenbroicher-Zeitung veröffentlicht ist.

Es herrsche “Aufregung bei den Grünen”, weil deren Kandidat Christian T. eine “Vergangenheit in einer rechtsradikalen Gruppierung gehabt” haben soll. Der Parteichef der örtlichen Grünen wird bei NGZ-Online mit den Worten zitiert: “Wenn das stimmt, wäre das für uns eine Katastrophe“. Auch der Landesverband der Grünen nehme die Sache ernst.

Doch wenn man Christian T. glaubt, dann ist die Sache überhaupt nicht so schlimm, wie sie dargestellt wird.

Denn selbstverständlich ist T. “weder rechtsgerichtet“, noch habe er eine “nationalsozialistische Einstellung“. Im Gegenteil: das Parteiprogramm der Grünen finde er “gut“.

T. behauptet, er sei quasi im Undercover-Einsatz bei der “Exilregierung” tätig gewesen. Das mit den Undercover-Einsätzen kommt einem irgendwie bekannt vor: Thomas Tischer, im April 2007 mit einem Bericht von sternTV über seine Tätigkeit für eine (andere) “Reichsregierung” konfrontiert, behauptete damals, er habe “im Auftrag der BRD” und “undercover” an dem sternTV-Beitrag “mitgewirkt”.

Christian T. behauptet allerdings nicht, im Auftrag der “BRD” bei der “Exilregierung” gewesen zu sein. Vielmehr habe er sich in die Gruppe eingeschleust, weil sich im Rahmen seiner Tätigkeit als ”zertifizierter Antistress-Trainer” mehrere “Mobbing-Opfer” über die Praktiken dieser “rechtsgerichteten Organisation” geäußert hätten. Dann sei er “spontan” in den Rang eines “Reichsstaatsanwalts” erhoben worden, weil – so T. bei NGZ-Online – die “wussten, dass ich eine Trainerakademie habe, dass ich Unternehmensberater bin und mich gut mit dem Gesetz auskenne“.

In der Aufzählung offenbar untergegangen ist seine Tätigkeit als Leiter der “Rechtsabteilung eines großen internationalen Unternehmens” von der er anläßlich seiner auf Video dokumentierten Rede auf einer Versammlung der “Exilregierung” am 27.11.2004 erzählte.

Auf dem ersten Video der “Exilregierung”, das T. bei der Schilderung seiner diversen Heldentaten für die “Exilregierung” zeigt, hörte sich die angebliche Erhebung zum “Generalstaatsanwalt” übrigens etwas anders an:

“Ich habe mich für das Amt des Oberstaatsanwalts/Generalstaatsanwalts beworben (…)”

Aber gut.

An dieser Stelle eine kleine Anmerkung zu den Videos: sie stammen von der “Exilregierung Deutsches Reich“, wurden allem Anschein nach vom damaligen “Pressesprecher” Uwe Bradler aufgezeichnet und auf den Seiten der “Exilregierung” veröffentlicht, wo sie inzwischen nicht mehr abrufbar sind. [Nachtrag: die Videos sind doch auf der Internetseite der Exilregierung unter friedensvertrag.info abrufbar. Auf Angabe des genauen Pfads wird verzichtet. Über Google.de ist die Seite der "Exilregierung" aus Rechtsgründen nicht zu finden.] Es handelt sich dabei um zwei Dateien: Rede_T*1.WMV und Rede_T*2-1.WMV. Das erste Video ist 2:14 Minuten lang, das zweite 6:48 Minuten. Sie liegen der “KRR”-FAQ vor und inzwischen auch den Grünen sowie der NGZ.

Christian T. selbst sei jedenfalls nie Mitglied in dieser Gruppierung geworden (ach? Dann hatte die “Exilregierung” ihre “Generalstaatsanwalt” also outgesourced?). Ja, er verurteile die Machenschaften der so genannten “Exilregierung” sogar, weil diese Leute ”den deutschen Staat ablehnen, aber Hartz IV kassieren“, heißt es bei NGZ-Online weiter.

Nach einigen Monaten sei er leider aufgeflogen, seine Frau und er hätten fortan telefonische Morddrohungen erhalten.  Und so weiter.

So weit, so gut.

Fazit: Alles nur ein dummes Mißverständnis.

Herr T. hat quasi für Mobbing-Opfer der “Exilregierung” Feldforschung betrieben, wollte an die “Drahtzieher” heran. Das wäre lobenswert und verdiente höchsten Respekt, weil er so mutig war, sich mit seinem Gesicht, seinen persönlichen Daten gegenüber der “Exilregierung” zu offenbaren. Daß er von “Reichsbürgern” Gebühren einforderte für “Dienstleistungen der Staatsanwaltschaft“ (Screenshot)? Schwamm drüber. Alles Tarnung! Der örtliche Grünen-Chef traut Herrn T. jedenfalls zu, daß er “sich dort eingeschleust hat, um anderen Menschen zu helfen“. 

Für T.s Stellungnahme könnte sprechen, daß der damalige ”Pressesprecher” der “Exilregierung”, Uwe Bradler, im August 2005 im Internetforum der “Exilregierung” auf Nachfrage erklärte, der “Generalstaatsanwalt” sei “aufgrund seines Verhaltens” aus dem Amt “entfernt” worden (Screenshot). Vielleicht meinte er ja tatsächlich damit, man habe herausgefunden, T. sei quasi ein Spion.

Andererseits gibt es doch Punkte, die Zweifel wecken.

In erster Linie sei hier genannt, wie sich Herr T. bei der Versammlung am 27.11.2004 präsentierte: nämlich als völlig von der Sache überzeugter “Generalstaatsanwalt”. Auf den der “KRR”-FAQ vorliegenden Videos schwadronierte T. völlig überzeugend und offenbar überzeugt von seinem Engagement für die “Exilregierung” und seinem Einsatz gegen die “Bundesdödel”. Gegenüber web.de habe er erfolgreich mit seiner “Extrerritorialität” argumentiert.

Weiter berichtete er von einem “aktuellen Fall aus dem Rheinland – vielleicht einfach mal für diejenigen, die beim letzten Bürgertreffen nicht dabei waren“. Unter dem Motto: “Die Staatsanwaltschaft muß natürlich testen” sei man auf eine Baustelle gegangen, die “illegal veräußert worden ist von einer rheinischen Stadt aus dem Landkreis (?) Neuss und haben dort eine Baustelle beschlagnahmt und haben das Personal kurzerhand von der Baustelle verwiesen. Der Herr Innenminister kann bestätigen, daß diese Baustelle mittlerweile komplett geräumt wurde (…) die Baugeräte wurden abtransportiert, die Baustelle liegt brach. Da passiert nix mehr.“ 

Weiter habe er mit dem “Herrn Innenminister zusammen diese Woche  (…) etliche alliierte Besatzer besucht. Die Ergebnisse waren (…) für unsere Bundesdödel auch irgendwo erschreckend, weil das, was man hierzulande gerne verschweigen möchte, wird von den Alliierten mit einem Lächeln und einem ‘Ja, das ist so, selbstverständlich”… das wird abgenickt in jeder Hinsicht“. Mit den Japanern sei man übrigens “noch in Verhandlungen“.

Der “Reichsinnenminister” seinerseits kündigte an, daß er gemeinsam mit “unserem Herrn Generalstaatsanwalt” in den “nächsten Wochen” einige Sachen vornehmen werde, die “einigen Leuten also nicht schmecken werden, wie unter anderem Beschlagnahmungen von Reichsvermögen und so weiter“.

Das alles wirklich nur zur Tarnung? Diese überzeugenden Schilderungen seiner Heldentaten? Gut, es mag sein, daß Herr T. ein wirklich klasse Schauspieler ist. Aber was ist mit den Heldentaten an sich? Diese ganzen – teilweise beinahe strafbar anmutenden Aktionen (bei der Räumung der Baustelle könnte man z.B. an Nötigung denken) – hat Herr T. nur unternommen, um sich für Mobbing-Opfer einzusetzen?

Wie heißt es doch so schön: in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten), auch wenn bei Ansicht der Videos die Zweifel an den Aussagen T.s gegenüber der NGZ stark sind. Letztlich kann aber wahrscheinlich niemand außer Herrn T. genau wissen, welche Beweggründe er für sein Engagement bei der rechtsextremen “Exilregierung Deutsches Reich” tatsächlich hatte. Von der “Exilregierung” selbst ist bislang keine Stellungnahme zu den Vorkommnissen Ende 2004/Anfang 2005 bekannt.

Ach, halt. Eine klitzekleine Frage bleibt. Nämlich die, welche der Blog-Besucher “Hans Dampf” anläßlich des ersten Artikels zum “Generalstaatsanwalt” bereits aufwarf:

“Ist euch schon aufgefallen, das auf Platz 12 der Liste eine Sandra T* steht? Handelt es sich bei ihr um seine Frau aus dem Umweltministerium der Exilregierung?”

Falls nicht: Schwamm drüber.

Falls doch, so ist anzumerken, daß Christian T. auf dem ersten Video seines Vortrags am 27.11.2004 gleich einleitend wörtlich sagt:

“Freundlichen guten Tag, alle miteinander. Mein Name ist Christian T. Ich bin mit dieser bezaubernden Frau dort vorne verheiratet,  aus dem Umweltministerium (…)”

Aber gut, die war dann wahrscheinlich auch “undercover” mit dabei.

Der Artikel wurde zuletzt geändert am 21.08.2009, um 21:08 Uhr. Zur Begründung siehe hier.

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Eine Antwort auf Neues vom “Generalstaatsanwalt”

  1. GFM RIMPLER III sagt:

    Der Beitrag ist einfach nur schlecht recherchiert.

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