Reichsdeutscher Ex-Waffenhändler in Haft

Der Reichsideologe Horst-Günter Hagemann sollte sich vor dem Amtsgericht Auerbach wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Doch er ignorierte eine Vorladung und tauchte ab. Am 09.11.2009 stellte sich der heute 60jährige im Amtsgericht und wurde in die Justizvollzugsanstalt Zwickau gebracht.

Es ist nicht ungewöhnlich, daß Angeklagte zu ihren Strafverhandlungen nicht erscheinen. Auch im Fall Horst-Günter Hagemann versuchen die örtlichen Behörden offenbar, „den Ball flachzuhalten“, wie es in einem Bericht der Freien Presse vom 03.11.2009 hieß.

Kein gewöhnlicher Angeklagter

Doch Horst-Günter Hagemann ist kein gewöhnlicher Angeklagter.

Er ist Ex-NVA-Major, Ex-Waffenhändler und Ex-Vorsitzender des 1. Reichenbacher Schützenvereins. Damit nicht genug, lehnt Horst-Günter Hagemann doch die Bundesrepublik Deutschland als demokratisch verfaßten Rechtsstaat ab und wirkte bei der „Kommissarischen Regierung des Reichslandes Freistaat Sachsen“ unter dem „Ministerpräsidenten“ Olaf Opelt mit.

Schon Ende November 2003 berichtete die „Freie Presse“ über Hagemann und Opelt, die in Reichenbach für die „kommissarische Reichsregierung“ warben. Gegen Hagemann war damals wegen der Flugblätter, mit denen für eine Informationsveranstaltung der „KRR“ des Wolfgang Ebel geworben worden war, ein Ermittlungsverfahren anhängig gewesen. Allerdings wurde dieses Verfahren wegen der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole von der Staatsanwaltschaft Zwickau mangels Tatverdachts eingestellt (Az: 612 Js 32160/03). Die Staatsanwaltschaft fand letztlich nichts Strafbares darin, daß der Waffenhändler Hagemann zum – gewaltfreien – Umsturz der bestehenden Ordnung aufgerufen hatte. Sie meinte, Hagemann könne sich auf die im Grundgesetz verbriefte Meinungsfreiheit berufen. Horst-Günter Hagemann wurde also letztlich durch die Verfassung geschützt, die er stets als nicht-existent bezeichnet.

Offenbar verstand der ehemalige NVA-Offizier diese Entscheidung als Freifahrtschein und legte sich in den folgenden Jahren immer wieder mit den Behörden an.

Bundesrepublik: „gegen das deutsche Volk gerichtete verfassungsfeindliche Organisation“

Im Internet kursieren einige Texte, die allem Anschein nach von Horst-Günter Hagemann stammen. Darin bezeichnet der Verfasser unter anderem die Bundesrepublik Deutschland als „eine gegen das deutsche Volk gerichtete verfassungsfeindliche Organisation, ohne gültige Rechtsgrundlage“ und fabuliert von der „Wiederangliederung der Ostgebiete“. Der „III. Weltkrieg ist fest eingeplant und nun im Gange“, heißt es in dem Text aus dem Februar 2008.

In einem anderen Text schwafelt der Verfasser von den „guten Seiten“ des Besatzungsrechts, das letztlich nämlich das „Deutsche Reich“ erhalte, weshalb „alle ‚Gerichte‘ der BRD keine Staatsgerichte sondern illegale Privatgerichte sind; alle BRD-Richter sind GmbH- Angestellte“. Abschließend heißt es in jenem Text:

Ich habe diese frohe Botschaft für alle privat haftenden BRD-Firmenbüttel gleich im Schaukasten unter meinem Grundstücksschild angebracht.
Auf dass die Schächtung des deutschen Volkes endlich ein Ende habe!
Heil Euch und eine frohe Wintersonnenwende und Weihenacht
Horst-Günter Hagemann
Staatsbürger und Rechtsachverständiger des Deutschen Reichs in Selbstverwaltung
und in administrativer Tätigkeit für Menschenrechte

Interviewpartner der „Freien Presse“

Allerdings trat Horst-Günter Hagemann zumindest bei einer Gelegenheit seriös in die Öffentlichkeit. Interessanterweise war es ausgerechnet die „Freie Presse“, die Hagemann in einem Bericht vom 21.01.2008 quasi als Experten zitierte. Anlaß war die Explosion eines Autos. Der „Büchsenmacher und Ingenieur für Artillerietechnik und -bewaffnung“ beurteilte damals die Ermittlungen der Polizei: „Dass die Polizei den Sprengstoff noch nicht identifiziert habe, darüber lacht Hagemann. ‚Jeder Sprengstoff hinterlässt charakteristische Rückstände‘.“ 

Kontakte zu „rechter Minipartei“

Im September 2009 war Hagemann als Redner bei einer Veranstaltung der Partei „Ab jetzt PROTEST!“ angekündigt. Das Thema seines Vortrags: „Unsere Verfassung – Wo ist sie geblieben“. „Ab jetzt PROTEST“ ist laut einem Bericht der  Sächsischen Zeitung Online vom 23.03.2009 eine „rechte Minipartei“ des ehemaligen NPD-Mitglieds und Landtagsabgeordneten Klaus Baier.

Zoff bei den Schützenbrüdern

Im Frühjahr 2006 verlor Hagemann seinen Posten als Vorsitzender des 1. Schützenvereins Reichenbach. Bei einer ersten Wahl im März 2006 hatte Hagemann, dessen Aktivitäten für die „Reichsregierung“ seinen Schützenbrüdern zum damaligen Zeitpunkt bereits bekannt gewesen sein dürfte, noch 25 von 31 Stimmen erhalten, wie die „Freie Presse“ am 18. Mai 2006 berichtet hatte. Weil allerdings die Schützenbrüder nicht den von Hagemann gewünschten Stellvertreter wählten, nahm der Ex-Waffenhändler die Wahl zum Vorsitzenden nicht an.

Behörden beißen sich die Zähen aus

Am 17.04.2008 berichtete die Lokalausgabe Reichenbach der „Freien Presse“ davon, daß sich das zuständige Landratsamt des Vogtlandkreises seit Jahren „die Zähne“ an Horst-Günter Hagemann ausbeiße. Selbst eine Großrazzia im Jahr 2006 sei weitgehend wirkungslos geblieben. Damals seien Waffen beschlagnahmt und Hagemann sogar ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen worden, wie auch bei „Endstation Rechts“ nachzulesen ist. Eine der beschlagnahmten Waffen soll eine AK-47 gewesen sein. Horst-Günter Hagemann war damals jedoch offenbar jedenfalls strafrechtlich unbehelligt geblieben. Im Jahr 2007 sei ihm allerdings die Erlaubnis zur Herstellung und zum Verkauf von Waffen entzogen worden. Hiergegen hatte Horst-Günter Hagemann vergeblich geklagt, wie ebenfalls bei „Endstation Rechts“ zu lesen ist.

Mitarbeiter der Kreisbehörde, die Hagemann im April 2008 besuchten, hätten unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen, da Hagemann sie des Grundstücks verwiesen habe.

Razzia im Jahr 2008: Gewehre, Pistolen, Munition und Sprengstoff

Einen Monat später kam es dann allerdings zu einer weiteren Razzia bei Horst-Günter Hagemann. Mehr als 20 Polizisten seien im Einsatz gewesen, berichtete die „Freie Presse“ am 15.05.2008. Insgesamt mehr als 100 Gewehre und Pistolen, 16 Luftgewehre und mehr als 100.000 Schuß Munition seien beschlagnahmt worden. Außerdem sehe sich Hagemann einem Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ausgesetzt, hieß es. „Weil die Beamten bei der Durchsuchung gefundenen Sprengstoff als zu gefährlich für einen Transport einstuften“, seien zwei Kilo Sprengstoff noch vor Ort „in die Luft gejagt worden“, berichtete die „Freie Presse“. Waffenhändler Hagemann habe sich als unzuverlässig erwiesen, da er Waffen und Munition „wiederholt nicht gesetzeskonform“ und sogar teilweise in seiner Wohnung gelagert habe. Die Online-Ausgabe der Sächsischen Zeitung berichtete am 17.05.2008 ebenfalls über die Razzia. Hagemann habe bei „den Behörden in Moskau“ beantragt, daß diese ihn und sein Grundstück durch russische Soldaten vor der Bundesrepublik beschützen sollten. Schließlich gelte „noch das Besatzungsrecht“, wurde Hagemann von der Sächsischen Zeitung zitiert. Horst-Günter Hagemann habe die Aktion als „Eingriff in innerstaatliche Angelegenheiten“ und damit als „Kriegserklärung“ aufgefaßt, da er sein Grundstück „unter Selbstverwaltung“ gestellt habe, war im o.g. Artikel der Freien Presse zu lesen. Auch diese „Eigenheit“ Hagemanns hätte die „auf richterliche Anordnung hin ausgelöste Durchsuchung befördert“.

Prozeß wegen unerlaubten Waffenbesitzes

Anfang des Monats sollte dem heute 60jährigen vor dem Amtsgericht Auerbach endlich der Prozeß wegen unerlaubten Waffenbesitzes gemacht werden. Doch Horst-Günter Hagemann erschien nicht, weshalb ein Haftbefehl gegen ihn erging. Beim Versuch, diesen zu vollstrecken, tappte die Polizei zunächst im Dunkeln: Hagemann war abgetaucht. Die „Freie Presse“ berichtete am 03.11.2009 davon, daß während der Fahndung unter anderem das Gelände einer kleinen Firma durchsucht worden sei. „Es sei Angst einflößend gewesen, als bewaffnete und mit Schutzausrüstung bekleidete Beamte dort anrückten“, wurden Augenzeugen zitiert. Auch MDR.de berichtete am selben Tag über Hagemanns Flucht und darüber, daß die Polizei während der Suche nach dem Ex-Waffenhändler tags zuvor in Reichenbach erneut selbsthergestellte illegale Munition und selbstgebaute Sprengkörperattrappen gefunden habe, was nun ein weiteres Strafverfahren nach sich ziehen werde.

Örtliche Polizei beschwichtigt: Suche „auf Sparflamme“

Der örtliche Polizeisprecher versuchte, die lokale Presse zu beschwichtigen. Die Suche laufe „auf Sparflamme“, die Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt bleiben, eine öffentliche Fahndung gebe es nicht, alles liege unterhalb dieser Schwelle, berichtete die „Freie Presse“. Bei den Mengen an Waffen, Munition und Sprengstoff, die Hagemann offenbar illegal bei sich gelagert hatte, kann man sich schon die Frage stellen, wann Horst-Günter Hagemann von der örtlichen Polizei für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird. Immerhin ist er (noch nicht?) so durchgeknallt, Amok zu laufen. Von der Durchsuchungs- und Beschlagnahmeaktion im Mai 2008 hat sich Hagemann allem Anschein nicht beeindrucken lassen.

Hagemann stellt sicht selbst

Am 09.11.2009 konnte die Polizei dann auch die „Sparflamme“ ausschalten, denn Horst-Günter Hagemann erledigte ihre Arbeit: er stellte sich selbst. Aus bislang nicht bekannten Gründen erschien er im Amtsgericht Auerbach, gab sich dort zu erkennen und wurde – nachdem ihm der zuständige Richter den gegen ihn verhängten Haftbefehl verlesen hatte – in die JVA Zwickau gebracht. Dort wartet er nun auf seinen Prozeß, der laut „Freie Presse“ am kommenden Montag (16.11.2009) beginnen soll.

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