Realitätsverlust in außergewöhnlicher Dimension

Eine (versuchte) Reise in die Schweiz hat für einen 57-jährigen nun wahrscheinlich strafrechtliche Konsequenzen. Dabei wollte er vermutlich noch nicht einmal Geld über die Grenze schleusen. Er war „nur“ mit einem Autokennzeichen des Deutschen Reiches sowie entsprechenden Papieren unterwegs – und ohne Zulassung.

Bereits am 13. April 2010 war schweizer Zöllnern an der Grenze zur Schweiz ein Renault aufgefallen. Und dies nicht, weil es ein so schönes Auto war, sondern weil ihnen das Nummernschild irgendwie merkwürdig vorkam: dieses trug als Länderkennzeichen ein „DR“ – für „Deutsches Reich“.

Über den Fall berichten die Online-Ausgaben mehrerer Zeitungen. Auch wenn sich die Artikel in Details widersprechen, scheint eines klar: der 57-jährige wähnt sich im Deutschen Reich und betrachtet die Bundesrepublik Deutschland als nicht existent.

Im Artikel des Südkuriers vom heutigen Tag heißt es, der Beschuldigte habe Kennzeichen, Zulassungspapiere und sogar eine Versicherung bei „einem Mann aus Freudenstadt“ bestellt, der „für sich die rechtliche Nachfolge des Deutschen Reichs“ proklamiere. Allem Anschein nach handelt es sich hierbei um den ehemaligen selbsternannten „Staatspräsidenten des Freien Volksstaates Württemberg“ und jetzigen selbsternannten „Rechtbeistand“ Werner Peters.

Die deutschen Polizeibeamten, die einem Bericht zufolge „aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung auf den Verwirrten aufmerksam“ geworden, einem anderen Bericht zufolge von der schweizer „Grenzwacht“ informiert worden seien, stellten bei dem Reichsbürger nicht nur die falschen Kennzeichen und Papiere sicher, sondern auch gleich die Fahrzeugschlüssel. Sie untersagten den weiteren Betrieb des Renaults bis zur ordnungsgemäßen Zulassung.

Strafrechtliche Konsequenzen seien dem 57-jährigen sicher, heißt es im Artikel bei Thurgauerzeitung.ch von gestern. Der Mediensprecher der zuständigen Konstanzer Polizeidirektion habe mitgeteilt, daß eine Anzeige wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Zulassung erfolgen werde. Ob tatsächlich eine strafbare Urkundenfälschung vorliegt, darf zwar bezweifelt werden (die Rechtsprechung spricht den Phantasiedokumenten der „Reichsbürger“ überwiegend die Urkundsqualität ab). Bezüglich des Fahrens ohne Zulassung könnten dem Reichsbürger hingegen in der Tat strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Einen rechtsextremen Hintergrund schließt die Polizei in Konstanz aus, obwohl im Bericht bei Thurgauerzeitung.ch von „Kennzeichen aus dem dritten Reich“ die Rede ist. Viel Erfahrung mit Reichsdeutschen scheint man in Konstanz jedenfalls nicht zu haben. Der Polizei-Mediensprecher zeigt sich nämlich ziemlich beeindruckt. So heißt es bei Thurgauerzeitung.ch:

Es gebe zwar immer wieder Personen, die unter einem Realitätsverlust litten, ergänzte der Polizeisprecher. „In dieser Dimension ist der Fall aber sicherlich aussergewöhnlich.“

Ein wirklich außergewöhnlicher Fall von Realitätsverlust

Der Artikel bei des Südkuriers erwähnt hingegen einen wirklich außergewöhnlichen Fall von Realitätsverlust. Der auch aus einem Kommentar in diesem Blog bekannte „Generalfeldmarschall“ Rimpler hatte der Stadt Büsingen für den 20. April 2010 eine Invasion angekündigt. Der „kommandierende General aller Preußen“ hatte in einem Fax dem Bürgermeister mitgeteilt, mit 3500 bis 4500 „Besuchern“ nach Büsingen zu kommen, um „die Exklave an das Reichsland Elsaß-Lothringen anzuschließen“. Doch letztlich habe die Asche-Wolke die Büsinger gerettet. Denn, so ist in einem Südkurier-Artikel vom 20.04.2010 nachzulesen:

Die Sperrung des Luftraums über Deutschland und der Schweiz hätte die „Verschiebung der Verbände““ – so Rimpler – verhindert. „Der Besuchertransport mit Kriegsschiffen über den Rhein kommt nicht in Frage“, teilte der so genannte Statthalter des preußischen Staates Bürgermeister Gunnar Lang heute mit.

Dieser Beitrag wurde unter Diverse Reichsregierungen, Neues aus dem Blätterwald abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*