Osterholz-Scharmbeck schämt sich nicht

In Osterholz-Scharmbeck hat man offensichtlich nichts gegen Holocaustleugner. Im Gegenteil: man stellt ihnen sogar das Rathaus zur Verfügung. Als Kulisse für eine zweifelhafte ”Friedensbotschaft”.

Jo Conrad gilt als eine der bekannsten Figuren der “braunen Esoterik“. Der Verschwörungsautor fällt immer wieder durch seine Nähe zu rechtsextremen Gruppierungen wie den “kommissarischen Reichsregierungen” auf. Er selbst vertritt zahlreiche ”Argumente” dieser Gruppen und leugnet die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als demokratisch verfaßten Rechtsstaat. Vor etwas mehr als einem Jahr machte er als eine der Hauptfiguren des “Fürstentums Germania” von sich reden. Inzwischen betreibt er einen “Bildungskanal” im Internet.

Dort wurde nun ein als “Friedensbotschaft” bezeichnetes Video veröffentlicht, welches dem Kinoerfolg “Avatar” nachempfunden ist. Conrad “spielt” in diesem Video einen Offizier, der über die Situation auf dem Planeten schwadroniert und dabei von “mächtigen Interessengruppen” faselt, welche der Bevölkerung Gefahren vorgaukeln würden. Über Conrads “schauspielerische” Qualitäten decken wir an dieser Stelle besser gnädig den Mantel des Schweigens.

Redok.de berichtet in einem Beitrag vom 16.05.2010 über dieses Video und darüber, daß es Conrad gelungen sei, eine interessante Kulisse für seinen im April 2010 gedrehten Streifen zu erhalten: das Rathaus der Stadt Osterholz-Scharmbeck.

Conrad selbst lebt im Landkreis Osterholz-Scharmbeck.

Was die Verwaltung geritten hat, Conrad das Rathaus als Drehort zur Verfügung zu stellen, ist leider nicht bekannt. Sollte man sich in Osterholz-Scharmbeck vorher nicht über Conrad informiert haben? Denn hätte man dies getan, hätte man schnell herausgefunden, daß Conrad zum Beispiel in seinem Buch “Entwirrungen” unter anderem offen und unkritisch aus volksverhetzenden Schriften wie den “Protokollen der Weisen von Zion” und den – wegen volksverhetzender Inhalte indizierten – “Geheimgesellschaften” von “Jan van Helsing” (alias Jan Udo Holey) zitiert. Außerdem lobt er das ebenfalls indizierte Buch “Die Ideologie der Neuen Weltordnung” des ehemaligen SS-Mannes Hans Werner Woltersdorf als “brilliante Analyse“, in der Woltersdorf “über die Protokolle der Weisen von Zion [schreibt], dass es unerheblich sei, ob sie auf ein Treffen von Zionisten zur Planung der Erringung der Weltherrschaft zurückgehen oder auf eine Streitschrift gegen Napoleon III. (…) In beiden Fällen seien es jüdische Gedanken.

Bei einer Recherche hätten die Damen und Herren im Rathaus auch etliches über Conrads Kontakte in die rechtsextreme Szene erfahren. Und  natürlich über seine diversen Kontakte zu Staatsanwaltschaft und Gericht. Zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen ihn wurden gemäß § 153 a StPO eingestellt. In einem weiteren Verfahren wurde Conrad auf Antrag der Staatsanwaltschaft Verden (Az. 521 Js 31016/04) durch das zuständige Amtsgericht wegen Volksverhetzung verwarnt.

Conrad selbst hält die Leugnung des Holocausts allerdings nicht für eine Straftat, sondern für eine Meinungsäußerung. In diesem Sinne verteidgt er Holcaustleugner wie Ernst Zündel, der “für (seine) Meinungsäußerung verfolgt und inhaftiert” worden sei. Passend dazu fordert “Offizier” Conrad in seinem Video eine Welt, “in der niemand wegen seiner Meinung ins Gefängnis gesteckt wird”.

Man darf gespannt sein, wann die NPD oder andere vergleichbare Gruppierungen einen Antrag stellen, im Rathaus der Stadt Propaganda-Filme drehen zu dürfen. Nachdem man in Osterholz-Scharmbeck entweder nicht weiter überprüft, wer im Rathaus einen Film dreht oder aber sich nicht schämt, jemanden wie Jo Conrad ins Rathaus zu lassen, dürften die Bedenken gegenüber NPD u.ä. auch nicht sonderlich hoch sein.

Achso, der Bürgermeister Osterholz-Scharmbecks ist übrigens Mitglied der SPD, also einer Partei, die bisher nicht im Verdacht stand, mit Holocaustleugnern zu sympathisieren.

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3 Antworten auf Osterholz-Scharmbeck schämt sich nicht

  1. Blaubart sagt:

    Durch seine Kontakte zu einem Theater in der Nähe hatte Jo, zumindest früher, auch gute Möglichkeiten sich “schauspielerisch” zu betätigen.
    Die Meisten der damals Mitwirkenden haben sich nie angesehen was der Gute in seinen Büchern so schreibt und fanden es eher Lustig an einem “Verschwörungsprojekt” mitzuarbeiten. Das er das ernst meint konnte sich wohl keiner vorstellen.

    Ich gehe daher davon aus, dass das auch nach einigen Jahren noch genau so gilt.

  2. GFM RIMPLER III sagt:

    Volksverhetzung?

    Vermutlich handelt es sich um das Volk, in dessen Namen die Urteile verkündet werden. Sein Name lautet schlicht DAS VOLK.

  3. Strawman sagt:

    Aber wenn man DAS VOLK in Großbuchstaben schreibt, fällt das ganze damit nicht unter Seerecht, repräsentiert also nicht das wahre Volk und ist hinfällig?

    Pam! Pow!

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