Iwan „Wanja“ Götz zu Haftstrafe verurteilt

Ein falscher Doktortitel und hunderte Hetzbriefe an jüdische Prominente, Politiker und Behörden führten dazu, daß der selbsternannte „Oberrabbiner“ Iwan „Wanja“ Götz am Freitag vom Berliner Landgericht zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt wurde.

Schon seit Jahren ist Iwan „Wanja“ Götz in der Szene der „Reichsdeutschen“ bekannt. Zahlreiche Positionen hatte er bei verschiedenen „Reichsregierungen“ und nahestehenden Organisationen inne, unter anderem den des „Ministers für Auswärtige Angelegenheiten“ des „Freistaats Sachsen“ bei Olaf Thomas Opelt. Zuletzt war er insbesondere als Verfechter der „Germanischen Neuen Medizin“ aufgefallen.

Götz verbüßt derzeit eine „über zweijährige Haftstrafe“, wie „Endstation Rechts“ am 28.09.2010 berichtete, „vor allem wegen 15facher Steuerhinterziehung“.

Am vergangenen Freitag wurde Götz – unter Einbeziehung mehrerer Vorstrafen – wegen Volksverhetzung und Titelmißbrauchs zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt, wie welt.de am 01.10.2010 berichtete. Das Landgericht Berlin sah es als erwiesen an, daß Götz – der sich selbst auch als „Oberrabbiner“ ausgibt – in Hetzschriften an Behörden, Politiker und Privathaushalte den Massenmord an Juden während der Zeit des Nationalsozialismus als Geschichtsfälschung bezeichnet hatte. Zudem habe er sich zu Unrecht als Doktor bezeichnet. In seiner Urteilsbegründung sprach das Gericht von Götz als „uneinsichtigen Überzeugungstäter mit wirren Vorstellungen“.

Iwan Götz hatte im Prozeß die gegen ihn erhobenen Vorwürfe eingeräumt, wie „Endstation Rechts“ am 01.10.2010 berichtete, und sich so auf einen „Deal“ eingelassen. Der Tagesspiegel hatte am 25.09.2010 berichtet, die Richter hätten „dem notorischen Holocaust-Leugner“ im Falle eines umfassenden Geständnisses eine maximale Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren in Aussicht gestellt.  

Endstation Rechts“ beleuchtete am 28.09.2010 die kriminelle Vergangenheit des Reichsideologen. Seit über 10 Jahren sei die Justiz mit Iwan Götz vertraut. Er habe mit gestohlener Ware gedealt und illegal Waffen besessen. Außerdem habe er russische Staatsbürger nach Deutschland geschleust, Steuern hinterzogen, Menschen beleidigt und falsche Verdächtigungen verbreitet.

Lange Zeit hatte sich Götz als „Kinderpornojäger“ geriert und in diesem Zusammenhang mehrere Politiker als „Kinderschänder“ und „schwulen Abschaum“ bezeichnet. Selbst die „seriöse Presse“ war dem Hochstapler auf den Leim gegangen. Im Februar 2003 hatten unter anderem „Die Welt“ und die „Berliner Morgenpost“ über Wanja Götz berichtet, einen angeblichen ehemaligen Verbindungsoffizier zwischen MfS und KGB, der in einer eidesstattlichen Versicherung behauptet hatte, die Stasi habe mit Kinderpornographie einflußreiche Persönlichkeiten in Westeuropa erpreßt. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen hatte allerdings in einer Presseerklärung mitteilen lassen, daß die entsprechende Berichterstattung über Götz und seine Behauptungen nicht durch „MfS-Unterlagen“ zu belegen sei.

Während des aktuellen Prozesses kam ans Licht, daß Götz auch im Gefängnis seine volksverhetzenden Schriften verbreitet. Laut „Endstation Rechts“ habe ein ermittelnder Kriminalbeamter ausgesagt, daß eine Zellendurchsuchung im Frühjahr 2010 ein einschlägiges, von Götz verfasstes Manuskript zu Tage gefördert habe, dessen Adressat die Gefängniszeitung war. Ein 258seitiges „Elaborat“ sei zudem ins Internet gelangt.

Entgegen anderslautender Informationen ist Götz offenbar doch nicht schuldunfähig. Im Rahmen eines psychiatrischen Gutachtens wurde Götz jedenfalls keine schuldmindernde Erkrankung bescheinigt, so „Endstation Rechts“ am 28.09.2010.

Siehe zu Iwan Götz:

Dr. Scharlatan und der Oberrabbiner

Oberrabbiner Dr. Esra Iwan Götz

Erklärung der Union progessiver Juden in Deutschland

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Ein Kommentar zu Iwan „Wanja“ Götz zu Haftstrafe verurteilt

  1. Yoav Sapir sagt:

    Ich hatte in meinem Blog auch schon verschiedentlich mit Herrn Götz zu tun und wusste nicht so recht, was er eigentlich von mir wollte. Als ich seine Kommentare nicht mehr freischaltete, verschwand er wieder.

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