Unter anderem mit Hinweisen wie “Aufgrund des Vorstehenden kommt es nicht auf die umfangreichen Ausführungen des Inhaltes an, dass die Bundesrepublik aufgehört habe zu existieren (dass dem tatsächlich nicht so ist, dürfte schon ein Blick aus dem Fenster zeigen; anderenfalls kann man auch eine Rundreise in dem Staatsgebiet, welches die Bundesrepublik für sich beansprucht, antreten um dies festzustellen)“, reagierte ein Richter am Amtsgericht Halle an der Saale auf Eingaben in einem Insolvenzantragsverfahren. Klartext eines Amtsrichters, selbst für “Reichsideologen” leicht zu verstehen, möchte man denken. Aber: falsch gedacht.
Das Schreiben, das in mindestens einem einschlägigen Internetforum veröffentlicht wurde, stammt vom 16.02.2010 und betrifft ein Insolvenzantragsverfahren vor dem Amtsgericht Halle an der Saale. Über die genauen Beweggründe, die den Amtsrichter zum Verfassen der Zeilen veranlaßt haben, kann nur spekuliert werden. Vermutlich hat auch auch hier ein “Reichsideologe” mit der berühmten “Argumentation” vom angeblichen Erlöschen der Bundesrepublik Deutschland seine Rechts(un)kenntnis beweisen wollen und daher zentimeterdicke Schriftsätze ans Gericht geschickt. Bis dem zuständigen Richter dann der Kragen platzte.
“Die Argumentation bezüglich des Fortbestandes des Deutschen Reiches ist unzutreffend”
Neben der Empfehlung, eine Deutschlandreise zu unternehmen (ist ein “Reichsbürger” dabei in seiner Funktion als “Reichsbeamter” unterwegs, kann er sogar kostenlos mit der Bahn fahren – jedenfalls bis er erwischt und wegen Schwarzfahrens verurteilt wird), versucht der Amtsrichter, auch mit anderen Hinweisen den Empfänger seiner Zeilen zu überzeugen. So schreibt er ihm unter anderem ins reichsdeutsche Stammbuch:
Die Argumentation bezüglich des Fortbestandes des Deutschen Reiches ist unzutreffend. Das Deutsche Reich existiert nicht mehr. Vielmehr ist die Bundesrepublik Deutschland in ihrer heutigen Verfassung an seine Stelle getreten.
Eindeutig sind auch seine Ausführungen zu den kommissarischen Reichsregierungen:
Eine Vielzahl von (unzufriedenen?) Personen, die ihre Staatsbürgerschaft wegen rechtlicher Probleme mit dem jetzigen System “ablegt” – andere Fälle sind hier nicht bekannt- und sich selbst Ausweispapiere von irgendwelchen Reichsprovinzen erstellt, stellt kein eigenständiges Staatsvolk dar. Diese Personengruppe verfügt auch nicht über ein abgrenzbares Staatsgebiet und es fehlt auch an einer stabilen handlungsfähigen Regierung (insbesondere stellen kommissarische Reichsregierungen und andere Phantasiegebilde keine Regierungen im völkerrechtlichen Sinne dar).
Doch wer nun dachte, durch diesen richterlichen Klartext ließe sich ein “Reichsideologe” überzeugen, hat falsch gedacht. Dies ist jedenfalls den Kommentaren eines “Senatssekretärs” in “Reichling’s Blog” zu entnehmen, der zu dem Schreiben des Amtsrichters unter anderem folgende Ansicht vertritt:
Angesichts solcher Entscheidungen, sind zu beachten, die Ein- und Widerspruchsfristen und dieses Verfahren muß in der BRD vor dem Obersten Gericht verhandelt werden!
Desweiteren muß sofort die Besatzungsmacht angerufen werden und das Potsdamer Abkommen vorgelegt werden!
Und so weiter…
Auf einer einschlägigen rechtsextremen Internetseite wird das Schreiben von zahlreichen Leser/innen ebenfalls kommentiert. Unter anderem wie folgt:
“Ein Blick aus dem Fenster genügt, um zu erkennen, dass die BRD existiert? Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich nur Angehörige turkmenischer oder afrikanischer Volksstämme.”
“Ich anerkenne die brd auch nicht als Staat an, noch nicht einmal als respekts- oder Machtperson, für mich ist das Gebilde nichts als Unrat.”
“Die BRD kann kein Staat sein, weil er nicht souverän ist. Es handelt sich bei der BRD und eine Organisationsform einer Modalität der Fremdherrschaf (OMF). Dies erkannte und benannte bereits der Kollaborateur, Sozialdemokrat und Bilderberger Carlo Schmid.”
“Sensationell mit wie wenig Worten man versucht das Deutsche Reich zu verleugnen. Da die Tatsachen jedoch anders aussehen, wobei ich jetzt nicht darauf eingehen möchte. Es kann sich ja jeder selbst belesen. Das Deutsche Reich ist Existenziell wie je zu vor, und die BRD bleibt ein Unrechts-Regime ohne jegliche völkerrechtliche Daseinsberechtigung. Es ist selbstverständlich das ein Richter der von der BRD Institution Geld bekommt kein sachliches schreiben zu dieser Sache aufsetzt.”
“Das Deutsche Reich besteht fort.
Die BRD ist uns egal,vollkommen gleich,denn unser Auftrag ist das Deutsche Reich.”
Zum Abschluß des Schreibens bittet das Gericht übrigens in Großbuchstaben, Fettschrift und unterstrichen darum,
das Verfahren nicht mehr mit weiteren Eingaben in diesem Sinne zu belasten. Dies gilt auch, soweit es sich um die unverständlichen Ausführungen zur Ringvorsorge und zu Urkundemahnverfahren handelt.
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